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Peter Hieber
Deutsche Wertpapiertreuhand

Schlechte Renditen bei Fonds: Wer hat schuld? (Teil 2)

Ging es im ersten Teil unseres Zweiteilers um intransparente Fonds und das massive Ablösen alter durch neue Fonds auf Kosten der Anleger, sprechen wir im zweiten Teil über eine verzerrte Wahrnehmung und raten vor allem zu einem: Mut.

Alles neu macht der Mai ... Juni ... Juli ... August ...

Verkäufer von Fonds stecken gleich doppelt in der Klemme. Erstens müssen sie bestehende Produkte anpreisen und von attraktiven Renditen schwärmen. Und zweitens müssen sie neue Produkte unterbringen. Als Faustregel kann man sagen, dass für jeden geschlossenen Fonds zwei neue auf dem Markt auftauchen. Doch die müssen nicht immer besser sein als das, was es schon gibt. Doch auch umgekehrt wird ein Schuh draus: Wenn ein Fonds über längere Zeit schlecht läuft, heißt es zwar oft, man müsse geduldig sein und sich nicht verunsichern lassen, das werde schon wieder. Wird es häufig aber nicht. Deshalb kann es durchaus sinnvoll sein, sich von einem Fonds zu trennen, wenn er dauerhaft nicht hält, was er einst versprach.

Der Früher-war-alles-besser-Denkfehler

Eine gute Rendite ist auch eine Gefühlssache. Denn meist steigen Anleger in ausgezeichnete Fonds ein und beklagen später ein Absinken der Rendite. Doch man darf sich nichts vormachen: Niedrige Zinsen auf dem Weltmarkt kratzen an jedem Finanzprodukt, Renditen von 5, 6 oder noch mehr Prozent sind einfach derzeit nicht realistisch. Andererseits vergessen viele Anleger Ausschüttungen, die im Laufe der Zeit in ihre Fonds einfließen und sehr wohl eine komfortable Rendite erzeugen. Der Blick wird stattdessen auf frühere Werte fokussiert, die aktuelle Rendite oder Gewinne, die nach und nach das Vermögen steigern, werden gern aus der Wahrnehmung gestrichen.

Gutes Timing ist die halbe Miete

Wenn wir Probleme mit unserem Auto haben, bringen wir es in die Werkstatt. Tut etwas weh, suchen wir einen Arzt auf. Aber unser Geld verwalten wir häufig ohne Hilfe und wundern uns, wenn dabei etwas schiefgeht. Dabei ist es eine wirklich anspruchsvolle Aufgabe, den Balance-Akt zwischen zwischen dem richtigen Zeitpunkt des Kaufens und Verkaufens hinzubekommen. Immer wieder kommt es zu voreiligen Entscheidungen, die womöglich nicht mal falsch sind, aber nicht zum richtigen Zeitpunkt getroffen werden.

Über Wohl und Wehe eines Fonds können kurze Zeiträume entscheiden, die dann den Ausschlag für Erfolg oder Misserfolg geben. Daher ist es immer ratsam, auf unabhängige Berater zu setzen, die den Markt schon lange kennen und ein großes Produktwissen haben. Und letztlich spielt die Psyche des Anlegers eine wichtige Rolle. Übrigens nicht nur bei der Geldanlage, sondern auch bei der Auswahl des passenden Beraters. Aufs Herz zu hören, kann auch in Finanzfragen also die beste Wahl sein.